Die 10 Schritte zum Boxen-Eigenbau



1 ) welches Material ist für mich das Richtige ?

Grundsätzlich kommen alle Materialien in Frage, aus denen man auch Möbel bauen kann.
Hohes Gewicht und möglichst minimale Schwingungsanregung ist das Ideal, bevorzugt mit Innenbedämpfungen.
Aus praktischen Gründen und wegen der Kosten folgende Fakten

Mat.name   Stärken Oberfläche Kante  Akustik
- / o / +
Verarbeitung Preise

19 mm
MDF roh 12 - 38 mm  rauh rauh + leicht
MDF GF = grundierfoliert = hochwertige,weisse lackierfähige Beschichtung 12 - 38 mm  fein rauh + leicht
MPX Birken-Multiplex  12 - 38 mm rauh rauh o schwer
MPX edelfurniert 12 - 38 mm fein rauh o schwer
Tischlerplatte 12 - 38 mm rauh grob - mittel
Massivholz 12 - 38 mm rauh rauh - mittel
Spanplatte / beschichtete Spanpl. KS/Dekor 12 - 38 mm grob grob o bis + leicht
Schiefer 20 mm Struktur Struktur +++ schwer
Beton-Spanplatte  20 mm grob grob ++ schwer


Dazu noch ein paar wichtige Hinweise:

- Stärken            je nach Händler und Lieferant verschieden, meistens 19 mm. Ausser MPX , meistens entweder 18 mm oder 21 mm erhältlich !
- Materialien:     für MDF und Spanplatte gilt: je stärker je mehr Masse desto bessere Klangeigenschaften !
                          Massivholz und Tischlerplatten: diese gelten als eher ungeeignet für LSP - Gehäuse - die natürliche Faserstruktur erlaubt ein Mitschwingen ( Eigenresonanzen ), nur beim Instrumentenbau gewünscht.....  wir bitten um Beweis des Gegenteils - siehe Bedämpfung ...

Klang                siehe den hoch interessanten Test Hobby HiFi 1/ 2002 ( und 2/2002 sowie 6/ 2001 - erklärt fast alles Wichtige.....)

TEST                 Preis/Leistungs-Sieger MDF 19 mm , 

Bedämpfung    unser Tipp: das Gehäuse aus gutem Material - Innenverstrebungen- dann noch bedämpft - optimale Lösung mit innen aufgebrachten Dämmstoffen

1.2 Mehrschalige Gehäuse

Schwingungstechnisch fast optimal ist der Sandwich-Aufbau
mit Bleischrot / Sand innen gefüllt.

TEST von HH " Materialien "

Fazit: Sie sehen also, wie vielfältig ....
Auch Kombinationen der Mat. für SW und Korpus sind möglich
Wir können nur Pro und Contra nennen, die letztliche Entscheidung
bleibt Ihnen überlassen.............................

1.3 Innenbedämpfung
Akustisch perfekt sind Gehäuse mit zusätzlicher Bedämpfung auf den Innenseiten.
Diese Mat. sollen hohes Gewicht mit schallschluckender Oberfläche kombinieren - oder wie HAWAPHON durch Bekleben mit Filz weiter bedämpft werden.

SONEX

HAWAPHON

BAWOTUMX

Bitumen / Teerpappen


2) Gehäuseform und Volumen - eigene Projekte

Bewährtes Konzept oder lieber " was Eigenes probieren " ???

Wir empfehlen: bleiben Sie so nahe am Original wie es geht !!!

Die renommierten Profis von HobbyHifi, Intertechnik, VISATON und allen anderen namhaften Entwickler sind genau deswegen so bekannt: weil sie schon Vieles durchprobiert und getestet haben und nur die erfolgreichen Lösungen anbieten !

Jede tiefgreifende - an sich machbare - Veränderung ist genau das:
ein neuer Lautsprecher, ein ganz persönlicher Versuch.
Kann ganz toll werden, vielleicht werden Sie damit sehr erfolgreich.

Unser klare Empfehlung zu individuellen Lösungen:

Design ja - Konstruktionsänderungen besser nicht !

Warum?
Jede Lautsprecherkonstruktion ist ein sehr genau abgestimmtes Zusammenspiel von Gehäuse, Chassis, FW.

Wird ein Detail geändert, ändern sich andere Parameter auch. Auch die Grössenverhältnisse der Gehäuseabmessungen stehen mit den akustischen Eigenschaften in engem Zusammenhang.

Also: nicht nur geänderte Volumina, sondern auch Maszänderungen sind kritisch !!!

Als Faustregel nennen viele Entwickler:
Volumen und Maszabweichungen bis 3 % vom Original gelten als unkritisch
Was deutlich darüber hinaus geht, ist ein neues Konzept !


3) Das Lautsprechergehäuse

Weil meistens irgendwann ein Schreiner / Tischler in der Entwicklung oder Fertigung einbezogen ist, nennen wir die/ einige gebräuchliche Bezeichnungen:

Lautsprecher / Box  das spielfertige, vollständig aufgebaute ( Teil ?)
besteht aus:

Korpus         -der eigentliche und grösste Teil des Gehäuses  besteht aus:

                    - zwei oder mehreren SEITEN
                    - KOPF / Oberboden  ( Deckel )
                    - FUSS / Unterboden
                    - Innenteiler für Hoch-Mittelton-Kammer
                    - Verstrebungen / Versteifungen / Stabilisatoren

Schallwand    - so genannte FRONT für die CHASSIS  üblicher Weise fest mit Korpus verleimt
                       bei BR / TL-Ausgängen ein-/ mehrteilig

Rücken           - der hintere Abschluss, ein-oder mehrteilig, fest oder lose, für Terminal, BR/ TL- Ausgänge



4) Handwerklicher Aufbau des Gehäuses

Es gibt hier grundsätzlich zwei Varianten für die so genannte
VERBINDUNG des Korpus

- stumpf / 90 Grad     wie in den meisten Bauvorschlägen angegeben
SEITEN + Kopf +Fuss werden mehr oder weniger einfach zugesägt und dann verleimt

 Vorteile: schnell, einfach, günstig im Zuschnitt -Baumarkt

 Nachteile: es muss/ sollte gedübelt/ gefedert  werden !!!
 es muss mit Schraubzwingen / Gurten verleimt werden !!!
 sonst verrutschen die Bauteile zueinander !!!
Optik ist - bei üblicher Verarbeitung - nicht besonders toll von den durchgehenden Seiten / Bauteile sind die "Köpfe" sichtbar
 - gerade bei Lackierung oder Furnierung "setzen" sich diese ab

 Ausnahmen:

 - diese Optik geht so in Ordnung - akustisch unerheblich
 - es wird mit einer feinen Schattenfuge ( 2-3 mm Falz ) gearbeitet, um den Übergang bewusst
zu betonen
- einige Typen - besonders TL wie HH Libra und Visaton Topas
- sind so gerade richtig zu fertigen......

Gehrung / 90 Grad  Vorteile    perfektes Finish wie vom Profi gerade bei Lack / Furnier die
bevorzugte Verbindung keine sich gleich oder später "absetzenden" Köpfe !!!
- bei richtiger Vorbereitung perfekte Verleimung "nur" mit hochwertigem Klebeband möglich !!
- keine Zwingen oder Gurte erorderlich..............
- kein Verrutschen der Bauteile möglich, diese stützen sich gegenseitig ab, ohne Dübel, Federn o.ä.........
- bei Einfräsung der Innenteiler etc. wie ein Baukasten

Fazit: einfach- erfolgreich- schnell- perfekt

Je nach Aufbau und Grösse und Geschick geht das erste Gehäuse in 1 bis ? Stunden,
das zweite dann noch schneller - nicht bei allen, aber bei den meisten Modellen.


Montage / Verleimen des Gehäuses

Sie haben sich für eine der zwei Varianten aus 4) entschieden ?
Prima, jetzt geht es ans duaerhafte Verbinden, das Verleimen.
Dauerhaft deswegen, weil alle uns bekannten Gehäuse akustisch- also luftdicht
verleimt werden müssen.

Das gilt sowohl für die Aussenfugen als auch für die Innenteiler.
Wird hier gefehlt, arbeiten die Chassis wegen fehlender Gegendrücke nicht optimal,
lose Bauteile schwingen mit und erzeugen Störungen.

Dazu brauchen wir Leim und Druck
Als Leim kommt jeder sogenannte Weissleim oder PU-Leim in Frage, der bei Fachhandel
oder Baumarkt erhältlich ist.

Weissleim der Klasse B1 ist in normalen Räumen ausreichend beständig gegen Luftfeuchtigkeit,
B3 sogar gegen höhere Luftfeuchte.

Vorteile:
relativ günstig, leicht zu verarbeiten, haltbar, auch in der Flasche lagerfähig
Nachteile:       
hinterlässt ggf. Leimflecken, füllt keine Fugen auf

PU-Leime sind sehr beständig, jedoch nicht ganz ohne Tücken.

Vorteile:           füllt Fugen durch Aufquellen
Nachteile:         teurer, etwas schwerer zu verarbeiten, trocknet in der Flasche aus
                        ggf. starke Leimflecken, quillt und drückt nach


Wie übe ich ausreichend Druck auf die Fuge aus ?

Mit Schraubzwingen und Klemmen wird der nötige Druck auf die Leimfuge ausgeübt.
Vorsicht: grosse GLATTE Zulagen aus Restplatten unter die Zwingenbacken, sonst
üble Druckstellen !!!
Auch andere grosse Lasten wie Bierkästen, Bücher, die Freundin etc. helfen........

Weissleim bindet dauerhaft nur ab, wenn:
- wenn der Leim tief in die Poren eindringt !! ( verankert sich - Kohäsion )
- die Seiten beider Bauteile saugfähig sind ( bei Weissleim )

PU-Leime und so genannte Lackleime sind da bei nicht saugfähigen Flächen etwas
besser geeignet, aber wir empfehlen diese nur für Flächen - nicht für 19 mm Kanten.

Also: am besten immer "rohe " an  "rohe" Schnittkante leimen
- noch ein Argument für die Gehrung / 45 Grad -Ecken..............

Verleimen mit Klebeband: gerade beim Korpus DIE Lösung, weil genau und einfach:

1 ) gutes Klebeband nehmen, dass keine Rückstände auf dem Material hinterlässt !!!
extrem wichtig bei MDF GF, Lack, Glas, Metall etc. !!!!
Vorher unbedingt testen oder beim Profi mitkaufen !!!!!

2) Bereit stellen:

- ausreichend grosse EBENE Fläche ( Esstisch o.ä.)
- die Flächen mit Packpapier oder altem Teppich vor Leim schützen !!!
- den gewünschten Leim - Vorsicht: auf Zimmertemperatur achten !!!
- einen kleinen Ziehspachtel für´s Verteilen
- feuchtes Tuch für das Reinigen der Finger (  wenn Leim mit den Fingern
  verteilt wird - presst diesen optimal in die Fasern ein - Vorsicht Schnittgefahr ! )
- Klebeband - Zwingen- Pressgewichte - Zulagen !!!
- ein Helfer Ihres Vertrauens, so verfügbar ( eine echte Hilfe !!!)

3) Bauteile trocken ohne Leim 1-2 mal mit Klebeband locker aufbauen / fixieren
und Passgenauigkeit / Lage / Reihenfolge überprüfen und evtl. üben !!!
Auch die Lage / Genauigkeit der Innenteile prüfen- sonst ist es zu spät .....

4) an einer beliebigen Stelle das Klebeband auftrennen ( oder schon bei Schritt 1) offen lassen)
Korpus auf der Fläche aufklappen, Position der Innenteiler ggf. kennzeichnen

5) Leim angeben und gut verteilen - viel Leim ist nicht viel gut ...............
Nur der Leim in den Fasern hält- eine sichtbare Leimfuge bringt nichts - im Gegenteil !
Zuviel Leim quillt aus den Fugen und gibt unschöne Flecken in den Fasern der Sichtseiten !

Am besten erst die liegenden Leimfugen bestreichen, dann senkrechte (Innenteiler oben etc. )

6) Druck ausüben- mit Zwingen oder eben mit dem Klebeband.
Bei grossen und / oder komplizierten Gehäusen reicht Klebeband nicht immer !!!
Vorher unbedingt testen oder üben, im Zweifel Pressgewichte auflegen !!!
Aber Vorsicht: die frische Leimfuge erlaubt den Bauteilen das Verschieben gegeneinander !!!

Vorsicht: jeder lewim hat- abhängig von Temperatur / Luftfeuchte - nur eine gewisse
" offene Zeit " - danach bindet er ab in dringt nicht mehr in die Fasern ein.
Weissleim B1 liegt bei Raumtemperatur bei zirka 15 Minuten, vorher ggf. testen !!

Ganz ehrlich: man wundert sich, wie schnell Leim abbinden kann.
Bei einer Regalbox- kein Thema. Bei einem Horn oder grosser TL ..........
Wenn es geht: ein(e) Helfer(in) ist nicht zu unterschätzen.

7) solange der Leim noch nicht abgebunden hat- zirka 15-20 Minuten nach
Auftragen:

Korpus auf Winkligkeit prüfen - mit Zollstock oder Nagelleiste über beide Gehrungen
Korpus ann allen Aussenfugen auf Bündigkeit prüfen - ggf. mit Zwinge nachpressen
oder VORSICHTIG mit Zulage und Hammer bearbeiten.

Wenn alles im Lot - zirka 1-2 Sunden abbinden lassen, Kaffe / TEe trinken
ODER gleich weiter mit:

8) Schallwand verleimen

Meistens arbeiten wir mit stumpf zu verleimender Schallwand / Front.
Auch stumpf zu verleimende Seiten sind bei verschiedenen Konstruktionen
üblich.
Zugegeben: manche Bauteile lassen sich fast nur stumpf / 90 Grad verleimen.
( alternativ dazu der Zuschnitt aller Teile auf Gehrung, aber nicht ganz unkompliziert......)

Dei Schallwand liegt an 4 Seiten / Kanten auf dem Korpus auf, prima Leimflächen.
Wenn diese saugfähig sind - sonst sollte die Innenseite z.B. eine MDF GF-Platte
etwa 10 mm von der Aussenkante mit Stecheisen etc. bis auf rohe MDF frei gekratzt werden.

Noch besser: gleich die Schallwand um die Stärke der Korpusteile Seite ausfräsen/ fälzen-
eine so genannte Falz wie bei einer Zimmertüre - super dicht, super genau, sehr einfach.

Die Kanten bilden mit den Flächen Fugen, die irgendwann sichtbar werden / sich abzeichnen.

Damit sich die durchgehenden Kanten / "Köpfe" - gerade bei Lackierung oder Furnierung - nicht
 "absetzen / abzeichnen":
umlaufend eine feine Schattenfuge ( 2-3 mm Falz ) anfräsen, um den Übergang bewusst zu betonen.

Wie schon gesagt:  bei einigen Boxen - besonders TL wie HH Libra und Visaton
Topas- gilt das halt für die Seiten, was sonst für den Korpus und die Schallwand gilt.


9) Geschafft !

Klebebänder entfernten, Leimreste vorsichtig mit scharfem Stecheisen wegziehen, nicht wegstemmen !
Gefahr des Abrutschens !
Leim wegschleifen nur bei minimalen AUSGEHÄRTETEN Resten - sonst verschmiert der Leim in die
Fasern mit unschönen Flecken bei der Oberflächenbehandlung ...

Jetzt geht das zweite Gehäuse wesentlich leichter und schneller von der Hand.

10) Gehäuse Lackieren
Hinweis: nach bestem Wisen ohne jegliche Gewähr ...."

MDF roh:  wachsen mit Antikwachs Baumarkt  CLOU , Bondex etc.
                    beizen,  lasieren ähnlich wie  Holz
                    streichen, pinseln rollen wie Malerarbeiten auf Holz
                    evtl. mit Klarlack 1/ 2 komponentig überziehen

-  hier immer Herstellerhinweise beachten und Verträglichkeit mit
   anderen verwendeten Materialien vorab prüfen !!!!


Vorsicht: wasserhaltige / lösemittelhaltige Farben können Fasern
aufquellen lasen -

Probefläche !! dünn auftragen an unsichtbarer Stelle
(  innen im Ghäuse , Innenseite Rücken etc. )

Lackieren:  relativ viel Grundierung erforderlich ( 1- 10 Schichten )


MDF GF    nur streichen / pinseln / rollen oder lackieren


MPX             wachsen mit Antikwachs Baumarkt  CLOU , Bondex etc.
                    beizen,  lasieren ähnlich wie  Holz
                    streichen, pinseln rollen wie Malerarbeiten auf Holz
-  hier immer Herstellerhinweise beachten und Verträglichkeit mit
   anderen verwendeten Materialien vorab prüfen !!!!


Für Lackierarbeiten zu empfehlen:

-  hochwertige Lacke aus dem Bereich KFZ als Sprühdosen
-  Duplicolor Serie "Diamant " aus dem guten Baumarkt
    ( dazu sind noch verschiedene gute Düsen erhätlich )
- Effektlacke wie Struktur , Marmoreffekt,
- zweifarbiges Design -  Schallwand und Gehäuse je andersfarbig

- für Schutz und Glanz auf gebeizten Flächen sind auch Nitro- und
  Zapon-Lacke einsetzbar , unbedingt vorher testen !