© Hobby HiFi 6/2001

DIE TRICKS DER PROFIS

Ruhe bitte !

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zebulon sub
Wie lassen sich Laut sprechergehäuse nachhaltig beruhigen? Eine rhetorische Frage: Schalldämmung funktioniert immer über
Masse. Quantitativ ist die Wirkung eines schweren Boxensokkels, einer soliden Gehäusewand oder massereicher Gehäusebeschichtung bisher allerdings kaum untersucht worden - höchste Zeit daher, diesen Fragen komplex zu erforschen. Mit diesem Beitrag startet HOBBY HIFI eine aufwändige Untersuchung, die das Phänomen ausführlich beleuchten und die besten Gegenmittel vorstellen wird.

Was tun gegen Gehäuse schwingungen?

Das ideale Lautsprecherge­häuse bleibt reglos, wenn musikalisch die Post abgeht. Leider ist dieser Zustand pure Fiktion; in der Praxis schwingt das Boxengehäuse mit den Lautsprechermembranen um die Wette - für Musikwieder­gabe in höchster Qualität ab­solut hinderlich. Zwei wesent­liche Ursachen wirken hier zu­sammen: Der Schall, den die Rückseite der Membran in das Lautsprechergehäuse hinein abstrahlt, versucht durch die Gehäusewände hindurch nach außen zu gelangen, und der Rückstoß, den jede Membran­beschleunigung auslöst, regt das gesamte Gehäuse zu Schwingungen an. Dem zwei­ten Phänomen widmet sich dieser Artikel; den Schall-durchtritt durch das Gehäuse werden zukünftige Beiträge durchleuchten.


spikesSpikes sollen einen stabilen, taumelfreien Stand jedes Laut­sprechergehäuses gewährleisten, indem sie durch den Tep­pichboden hindurch Kontakt mit dem Betonfußboden auf-nehmen. Im Gehäuseboden verschraubte Spitzen sind vor allem bei relativ leichten Lautsprechergehäusen sinnvoll, während bei schwergewichtigen Boxen aus praktischen Gründen lose unter die Box gestellte Kegel vorzuziehen sind. Für Holzfußböden und andere elastische Untergründe sind Spikes nicht geeignet.


                                            elastische dämm füsse                                         

Elastische Dämpferfüße entkoppeln den Lautsprecher vom Boden; sie verhindern das Mitschwingen eines beweglichen Untergrunds, besonders eines Holzfußbodens. Außerdem sind sie geeignet, schmalbandige Resonanzen des Gehäuses zu eliminieren. Im Tieftonbereich fördern sie allerdings die Bewegung des Gehäuses.

Impulserhaltung

Jeder Impuls löst einen Gegen­impuls aus - das ist, vereinfacht ausgedrückt, der Impulserhal­tungssatz, mit dem jeder Schü­ler im Physikunterricht früher oder später konfrontiert wird. Ein Lautsprechergehäuse kann also gar nicht anders als dem durch die Membranbeschleu­nigung ausgelösten Rückstoß zu folgen. Die Frage ist nur, wie dies im Detail aussieht; Ein elastisch gelagertes Gehäuse weicht einfach aus, ein „me­chanisch geerdeter”, zum Bei-spiel mit dem Fußboden starr verbundener Lautsprecher gibt die Bewegungsenergie in Form von Schallwellen an den Un­tergrund ab.
Fast jeder Lautsprecher ist mehr oder weniger beweglich gelagert, und das nicht nur, wenn er auf elastischen Dämp­fern ruht: Steht er auf einem Teppichboden, dann sorgt der Flor des Teppichs für Bewe­gungsfreiheit. Selbst Spikes gewährleisten keinen absolut starren Stand: Die Spitzen dringen mikroskopisch tief in den Untergrund ein, was aus-reicht, um den Bewegungsim­puls des Gehäuses abzufangen, und der Boden ist in der Regel selbst nachgiebig - nicht nur ein Holzfußboden, auch ein schwimmender Estrich, der ja auf Dämmplatten ruht und sich daher relativ zum Gebäude zu bewegen vermag.
HOBBY HIFI verwendete für diese Untersuchung den in diesem Heft vorgestellten Ze­bulon-Subwoofer. Dieser wur­de auf Spikes und auf Dämp­fer gestellt, mit einer 15 Kilo­gramm schweren Betonplatte als massereicher Sockel ausge­stattet, und der Autor stellte sich schließlich selbst auf den Subwoofer, um die Masse zu erhöhen. Die Gehäuseschwingungen nahm ein Beschleuni­gungsaufnehmer von B&K auf, und als Analyzer kam das DAAS-Pro-Messsystem von ADM Engineering zum Ein­satz. Der Subwoofer arbeitete mit dem maximal möglichen Übertragungsbereich, also von 30 bis 150 Hertz.
Die Diagramme zeigen als schwarze Linie jeweils den Frequenzgang der Gehäuse­schwingungen ohne spezielle Maßnahmen, wenn also der Subwoofer direkt auf einem mit Teppichboden ausgelegten Betonfußboden steht. In die­sem Fall nehmen die Gehäuse­schwingungen bis 150 Hertz zu und fallen dann wieder ab. Bei 150 Hertz kommt es zu ei­ner deutlich ausgeprägten Re­sonanz des Subwoofergehäu­ses. Die farbigen Kurven zei­gen die Auswirkungen der ver­schiedenen Maßnahmen.

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Betonsockel

Der Betonsockel beruhigt das Gehäuse im Tiefbassbereich, ist allerdings ab 80 Hertz wir­kungslos und verstärkt zwi­schen 150 und 300 Hertz die Schwingungen sogar.
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Betonsockel + 88 kg
Die zusätzliche Masse führt zu einer deutlichen Beruhigung im oberen Bassbereich; die Wirkung des Betonsockels unterhalb von 70 Hertz ist allerdings aufgehoben.

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Spikes
Spikes ohne zusätzliches Gewicht verschlechtern die Situa­tion merklich.

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 Spikes + Betonsockel
Die Kombination aus Spikes und Betonsockel bringt im Durchschnitt keinen Vorteil; in schmalen Frequenzbereichen ergibt sich eine Verbesserung, in anderen Bereichen dafür eine Verschlechterung.
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 Spikes + Betonsockel + 88 kg
 Bei großer Zusatzmasse entfal­ten die Spikes im Tieftonbereich eine sehr gute Wirkung; die Re­sonanzstelle bei 150 Hertz vermag diese Konstellation aller­dings nicht zu entschärfen.
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 Dämpfer

Elastische Dämpfer führen zu vermehrten Gehäuseschwingung.

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 Dämpfer + Betonsockel

 Auch in Kombination mit dem Betonsockel vergrößern die Dämpfer die Gehäuseschwin­gungen; allerdings verschwin­det die schmale Resonanzspit­ze bei 150 Hertz.

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 Dämpfer + Betonsockel
+ 88 kg
Wird die Masse weiter erhöht, dann nehmen die Gehäuse­schwingungen im Tieftonbe­reich weiter zu; die 150-Hertz-Resonanz wird allerdings auch in dieser Konstellation hervor-ragend bedämpft.

 
Zusammenfassung

Sowohl Spikes als auch Dämp­fer und Zusatzmassen vermö­gen Gehäuseschwingungen zu reduzieren; die Wirkungen sind allerdings im Detail sehr unterschiedlich. Spikes rentie­ren sich im untersten Fre­quenzbereich; beim Zebulon-Subwoofer entfalten sie unter-halb von 150 Hertz die beste Wirkung - allerdings nur bei ausreichend großer Masse. Ist das Lautsprechergehäuse zu leicht, dann bewirken sie eher das Gegenteil.
Dämpfer vermögen Gehäu­seschwingungen bei sehr tiefen Frequenzen nicht zu reduzie­ren; infolge der erhöhten Nach­giebigkeit fördern sie diese sogar. Sehr positiv wirken sie auf Resonanzen des Gehäuses, beim Zebulon-Subwoofer zum Beispiel im Bereich um 150 Hertz, die sie souverän elimi­nieren- allerdings muss auch hier die Gehäusemasse ausrei­chend groß sein, damit die op­timale Wirkung entsteht.
Masse ist grundsätzlich zu begrüßen, ob nun in Verbin­dung mit Spikes, Dämpfern oder allein. Ein Sockel aus Beton oder Naturstein ist im-
mer sinnvoll, wenn er mit dem Gehäuse verschraubt wird. Akustisch ungenutzte Hohl-räume in Lautsprechergehäu­sen sollten grundsätzlich mit Sand oder anderen masserei­chen Materialien ausgefüllt werden.
Alle diese Maßnahmen vermögen allerdings bei weitem nicht die Wirkung einer akti­ven Impulskompensation zu erzielen (s. HOBBY HIFI 5/ 2000: Sub Monitor und 4/ 2001: Hexagon); die symme­trische Anordnung zweiter Tieftöner, deren Impulse auf das Lautsprechergehäuse sich kompensieren, ist bei weitem die beste Möglichkeit, ein Lautsprechergehäuse im Tieftonbereich zu beruhigen.

© Hobby HiFi 6/2001